Internistische Gemeinschaftspraxis Busch-Reeh

Diabetes

Was ist Diabetes?

Bereits der griechische Arzt Aretaios von Kappadokien (100 n. Chr.) betreute Patienten mit Zuckerkrankheit und prägte die Bezeichnung „Diabetes mellitus“. Er untersuchte den Urin seiner Patienten und führte ihn zum Munde. War der Geschmack süß, litt der Kranke am „Diabetes mellitus“. Wörtlich übersetzt bedeutet dies „honigsüßer Durchfluss“,
eine Krankheit, die lange Zeit später als Zuckerkrankheit bekannt wurde.
Mittlerweile hat sie sich zu einer der größten Volkskrankheiten entwickelt.

Von einer Störung des Zuckerstoffwechsels spricht man, wenn der Blutzucker nüchtern über 110 mg/dl liegt oder nach dem Essen über 140 mg/dl. Eine manifeste Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 besteht bei einem Nüchternblutzucker ab 126 mg/dl und höher oder nach dem Essen über 200 mg/dl.

Aufgaben von Glukose und Insulin

Der Blutkreislauf versorgt die Körperzellen mit dem Einfachzucker Glukose. Glukose ist ein wichtiger Energiebaustein für die Funktion unserer Organe und Muskeln. Die Glukose kann in Fett- und Muskelzellen nur eingebaut werden, wenn Insulin vorhanden ist. Insulin ist ein Hormon, welches in den sogenannten Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.
Es gibt unterschiedliche Formen der Zuckerkrankheit. Die wichtigsten sind der Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2.

Diabetes mellitus Typ 1

ist dadurch gekennzeichnet, dass die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin bildet.
Es handelt sich um eine sogenannte „Autoimmunkrankheit“.
Das heißt, dass sich das körpereigene Immunsystem aus bislang ungeklärten Gründen gegen die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse richtet.
Eine Virusinfektion als Ursache wird diskutiert. In der Folge kommt es zum Ausbleiben der Insulinproduktion. Meist erkranken junge Menschen an dieser Form des Diabetes mellitus.

Diabetes mellitus Typ 2

Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 bilden zwar Insulin, aber der Körper ist im Verlauf der Erkrankung zu unempfindlich dafür.
Diabetes mellitus Typ 2 ist die häufigere Form des Diabetes. Der Ausbruch der Erkrankung wird neben der genetischen Veranlagung vom Lebensstil unserer Generation mit zu wenig Bewegung und ungesunder Ernährung begünstigt.
Diabetes mellitus Typ 2 tritt vorwiegend bei erwachsenen und älteren Menschen auf.

Charakteristische Anzeichen der Zuckerkrankheit

Beim Diabetes mellitus Typ 2 können sich die Blutzuckerspiegel langsam und schleichend erhöhen.
Die Erkrankung verläuft zu Beginn oft symptomlos oder symptomarm.
Es können unspezifische Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Leistungsminderung auftreten.
Ebenso kann vermehrtes Wasserlassen, erhöhter Durst und eine erhöhte Neigung zu Infektionen, insbesondere der Haut, Schleimhäute und Harnwege beobachtet werden.

Der Diabetes mellitus Typ 1 wird häufig im Rahmen einer Stoffwechselentgleisung mit extrem hohen Zuckerwerten erstmals entdeckt. Patienten können Bauchschmerzen bemerken, extreme Schläfrigkeit bis zu komatösen Zuständen. Umstehenden Menschen kann in einer solchen Situation ein obstartiger Atemgeruch des Patienten auffallen.

Metabolisches Syndrom

Illustration ÜbergewichtDiabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen treten oft zusammen auf und werden dann als sogenanntes Metabolisches Syndrom bezeichnet.
Alle diese Erkrankungen gehen mit einer verringerten Wirksamkeit des Insulins, einer Insulinresistenz, einher. Hierdurch kann der Blutzucker nicht ausreichend von den Organen aufgenommen und verbraucht werden.
Um dem entgegenzuwirken, produziert die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin, und es kommt zu einem höheren Spiegel von Insulin im Blut (Hyperinsulinämie).
Häufig findet sich bei diesen Patienten eine Fettansammlung am Bauch (Bauchumfang bei Männern >102 cm
und bei Frauen >88 cm).
Das Fett am Bauch ist ungünstiger als das Fett an anderen Körperpartien, da es Hormone bildet (sogenannte Adipokine). Diese verschlechtern die diabetische Stoffwechsellage.
Das begünstigt die Entstehung von Blutgefäßerkrankungen, die Durchblutungsstörungen verschiedener Organe
zur Folge haben können.
Menschen mit Diabetes leiden rund zweimal so häufig unter hohem Blutdruck wie Nicht-Diabetiker.
Das Risiko, ein Gefäßleiden an den kleinen oder großen Gefäßen an Auge, Herz und Nieren zu bekommen,
wird um ein Vielfaches gesteigert.
Die Senkung des Blutdrucks in den Normbereich führt beim Diabetiker zu einer deutlichen Senkung des Risikos von Folgeerkrankungen und der Sterblichkeit.
Nähere Informationen zum Thema Bluthochdruck finden Sie auch auf der Seite „Kardiologie“ ».

Bis zu 50% aller Patienten mit Diabetes leiden an einer Fettstoffwechselstörung.
Die erhöhten Blutzuckerwerte verändern die Transportstoffe der Fette.
Es kommt zu einer Erhöhung der Neutralfette (Hypertriglyceridämie), zu einer Verminderung des HDL-Cholesterins („gutes Cholesterin“) und einer Erhöhung des LDL-Cholesterins („liderliches Cholesterin“).
Durch Ernährungsumstellung und (soweit erforderlich) medikamentöse Therapie wird eine Senkung
des LDL-Cholesterins auf einen Wert unter 100 mg/dl und eine Senkung der Triglyceride
auf einen Wert unter 150 mg/dl angestrebt.
Das HDL-Cholesterin sollte möglichst über 40 mg/dl liegen.

Übergewicht und Ernährung

Übergewicht und Insulinresistenz Eine gestörte Insulinwirkung führt zu einer veränderten Verarbeitung der mit der Nahrung angebotenen Kohlenhydrate.
Insbesondere die sogenannten schnell wirksamen Kohlenhydrate (Süßigkeiten und Weißmehlprodukte) können nicht schnell genug verarbeitet werden.
Sie führen zu einem raschen Blutzuckeranstieg nach der Nahrungsaufnahme.
Übergewicht spielt eine wichtige Rolle bei der Insulinempfindlichkeit der Zellen. Bereits ein Verlust von wenigen Kilo Körpergewicht kann die Stoffwechsellage deutlich verbessern.
Das Körpergewicht kann man mit dem BMI (Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körperlänge in m²) beurteilen. Von Normalgewicht spricht man bei einem BMI zwischen 20 und 25.

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung spielt eine zentrale Rolle für die optimierte Diabetesbehandlung.
Um den Patienten die hierzu erforderlichen Kenntnisse zu vermitteln, werden in unserer Praxis regelmäßig Schulungen für sämtliche Therapieformen des Diabetes angeboten.

Diabetes und Bewegung

Eine Erhöhung der körperlichen Aktivität kann ebenfalls die Insulinempfindlichkeit erhöhen.
Dabei kommt es nicht darauf an, Leistungssport zu treiben. Wichtig ist die regelmäßige Bewegung.
Es ist zunächst gut, in den normalen Alltag mehr Bewegung zu integrieren. Aber auch regelmäßiges Training, möglichst dreimal pro Woche, mit einer Erhöhung der Pulsfrequenz auf einen Wert größer 130/min bis 135/min und einer Dauer von mehr als 30 Minuten bringt eine deutliche Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage.
Es ist beeindruckend, welch rasche Steigerung der Leistungsfähigkeit, aber auch des körperlichen und seelischen Wohlbefindens hierdurch erzielt werden können.

Therapie des Diabetes mellitus

Die Therapie des einzelnen Patienten muss ganz speziell an seine Bedürfnisse angepasst werden.
Grundlage jeder Diabetestherapie ist die Ernährung und die körperliche Aktivität. Das übrige Therapiekonzept wird anhand der individuellen Erfordernisse und der Begleiterkrankungen mit jedem Patienten erarbeitet.

Ziel einer Therapie ist eine normnahe Einstellung der Blutzuckerwerte, die Vermeidung von Folgekrankheiten und eine hohe Lebensqualität.